Die stille Chronistin - Ein Porträt
Ilse Blank starb am 8. Februar 2021 im Alter von 97 Jahren. Sie wurde tot im Garten gefunden, erfroren nach einem Sturz. Ihr Vermächtnis aber lebt weiter. Schon zu Lebzeiten plante sie eine Stiftung, die die Förderung von Kunst, der deutsch-jüdischen Geschichte und der Erinnerungskultur zu ihren Hauptaufgaben zählt.
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Vielleicht beschloss sie die Stiftung an einem dieser vielen Tage, an denen sie aus dem Fenster ihres Hauses in München-Schwabing sah und sich vorstellte, wie die Welt ohne sie weitergeht. Sie sah Kinder, die auf Fahrrädern vorbeifuhren, Menschen, die Einkäufe trugen, Leben, das nicht innehielt.
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Ilse Blank war mehr als die Vertreterin einer großbürgerlichen Dynastie. Sie war eine Frau, die in der Dunkelheit ihrer Vergangenheit den Mut fand, das Leben zu feiern, ohne den Schmerz zu verdrängen. Viele ihrer Verwandten wurden ermordet. Das Trauma der Shoah prägte Ilse ihr Leben lang, auch wenn sie es nur selten offen zur Sprache brachte.
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Und dennoch: Was bleibt, ist das Bild einer Frau, die auf Reisen ging, aber nie ankam. Die den Verlust nie vergaß, die nur wenig Nähe zuließ, aber die Menschen suchte. Die die Kunst liebte, sich leise mitteilte – und die lachte, am lautesten dann, wenn sie dachte, dass niemand es sah.
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Ich durfte Ilses Leben zusammensetzen und erzählen. Ein Auftrag der 2023 gegründeten Ilse-Blank-Stiftung (www.ilseblank-stiftung.de), der mich nachhaltig berührt.